Dienstag, 15.03.2011

Verlegung von Stolpersteinen für die Familie Abrahamsohn


Wie schnell wird das vergessen: Bis 1933 waren jüdische Magdeburgerinnen und Magdeburger Teil der Gesellschaft, waren Nachbarn, Schulkameraden, Kollegen in Krankenhäusern, Geschäften, Behörden und Fabriken. 3200 jüdische Menschen gab es 1928 in Magdeburg. Auf dem Mahnmal an die zerstörte Synagoge in Magdeburg heißt es, dass 1521 von ihnen in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden, davon 287 Kinder. Ermordet wurden damals auch Hunderte Roma und Sinti aus Magdeburg, Widerstandskämpfer, Behinderte, vor allem aus den Pfeifferschen Stiftungen, Homosexuelle, Zeugen Jehovas. Auch viele der auch hier versklavten Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge und Kriegsgefangenen. So vernichteten die Naziverbrecher Leben und Würde unzähliger Menschen und zerstörten zugleich einen wichtigen Teil von Magdeburgs Kultur und gesellschaftlichem Leben.


"Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", sagt der Kölner Künstler Gunter Demnig. Mit der Aktion „Stolpersteine“ wendet er sich seit Jahren gegen das Vergessen der Opfer des Nationalsozialismus. Er möchte, dass jeder Einzelne/ jede Einzelne dieser Menschen in den Blick kommt. Dort, wo sie wohnten oder wirkten, setzte er seit 1992 Gedenksteine in das Straßenpflaster, Betonsteine mit einer Messingplatte, auf der Namen und Daten zu lesen sind. Jeder kann „mit den Blicken“ darüber stolpern und wird erinnert: Hier waren sie zu Hause, mitten in unserer Stadt!

Inzwischen (Januar 2011) gibt es über 27.000 Steine in 611 Städten und Gemeinden in Deutschland und in 50 Orten zehn anderer europäischer Länder.


Seit dem 18. März 2007 auch in Magdeburg. Der erste Stolperstein liegt am Rathaus und erinnert an den Magdeburger Bürgermeister Herbert Goldschmidt. März 2011 werden es 230 Gedenksteine sein. Begleitend zu der Verlegung von Stolpersteinen entsteht ein Magdeburger Gedenkbuch ermordeter Opfer des Nationalsozialismus, das im Eike-von-Repgow-Saal des Rathauses aufbewahrt wird. Es hält fest, was aus dem Leben der Opfer recherchiert werden konnte. Die Blätter des Gedenkbuches finden sich auch unter www.magdeburg.de (Stichworte: Bürger/ Verwaltung und Politik/ Stolpersteine/ Verlegte Stolpersteine).


25 neue Stolpersteine gibt es seit der Stolpersteinverlegung am 15.03 und 16.03. auf Magdeburgs Gehwegen, insgesamt also 236. Wie man an der aktuellen Debatte erkennen kann, sind solche Zeichen und Aufklärung gegen Rechte Gedanken und Gewalt bis heute sehr wichtig. Da die SPD sich seit Jahren dafür einsetzt, beteiligt sich die SPD Magdeburg auch seit Jahren an der Aktion Stolpersteine. Dieses Mal spendete der Ortsverein Magdeburg Ost für einen Stolperstein. Er war Henriette Abrahamsohn gewidmet.


Die Stolpersteine für die Familie Abrahamsohn wurden am 15.03. auf dem Breiten Weg 146 (in Höhe von Karstadt). Sie erinnern an:

Jakob Abrahamsohn, geboren am 14. März 1878 in Neidenburg, Kaufmann, wohnhaft Breiter Weg 146, deportiert am 14. April 1942 in das Ghetto Warschau; von dort deportiert im Sommer 1942 nach Treblinka, ermordet.

Henriette Abrahamsohn, geborene Grünfeld, geboren am 8. April 1885 in Breslau, wohnhaft Breiter Weg 146, deportiert am 14. April 1942 in das Ghetto Warschau; von dort deportiert im Sommer 1942 nach Treblinka, ermordet.

Ruth-Helene Abrahamsohn, geboren am 5. Juli1910 in Elbing, wohnhaft Breiter Weg 146, deportiert am 14. April 1942 in das Ghetto Warschau; von dort deportiert im Sommer 1942 nach Treblinka, ermordet.